Sonntag, 8. November 2015 - 11:00 Uhr

Veranstaltungsbericht von Sigrid Canz

Bei der Sonntagsmatinee zum Gedenken an Kurt Tucholsky war das Mühlengebäude bis auf den letzten Platz besetzt.  Unser Vorsitzender Markus Scharrer hatte es sich nicht nehmen lassen, die Veranstaltung selbst zu moderieren, da er den großen Publizisten der Weimarer Republik besonders schätzt.

Es las der Tossenser Gymnasiallehrer Klaus Turmann, der als Vorleser in der Wesermarsch schon oft aufgetreten ist. Die jungen Musiker Robert Uekermann und Daniel Heis aus Butjadingen begleiteten die Lesung musikalisch mit Saxophon, Gitarre und Keyboard.In seiner Einführung betonte Markus Scharrer die Aktualität des Pazifisten Kurt Tucholsky in unserer Gegenwart, in der Bürgerkriege, Terrorakte und Flüchtlingsdramen die Welt bewegen. Er stellte den Schriftsteller als linksintellektuellen, politisch engagierten Gesellschaftskritiker und als Autor von Gedichten, Romanen, Liedern und Kabaretttexten vor. Tucholsky schrieb auch unter mehreren Decknamen, vor allem in der Wochenzeitschrift "Die Weltbühne", deren Mitherausgeber er zeitweise war.

Das Programm der Lesung teilte sich in vier Hauptaspekte. Im ersten Teil wurde unter dem Motto "Der Verliebte" eine persönliche Seite des Autors angesprochen, dessen zwei Ehen an seinen zahlreichen Beziehungen zerbrachen. Klaus Turmann las temperamentvoll szenische Texte, in denen es um ebenso typische wie absurde Situationen in Partnerschaft und Eheleben ging.

Der zweite Teil war dem Künstler Kurt Tucholsky gewidmet, insbesondere dem Satiriker, der dritte Teil bezog sich auf ihn als Kämpfer gegen die Politik seiner Zeit. In zwei Liedern, die Klaus Turmann mit Instrumentalbegleitung sang, prangerte Tucholsky die Kompromißbereitschaft des Reichspräsidenten Friedrich Ebert und den Nationalsozialismus an, in Gedichten dann den Militarismus und die Fememorde nach dem Ersten Weltkrieg. Schließlich kam noch der aus Deutschland fliehende Tucholsky zu Wort, der das Leben in Paris und Schweden dem Leben in seiner Geburtsstadt Berlin vorzog. Seine kleine satirische Geschichte über die Kunst des falschen Reisens, die im Publikum allgemeines Schmunzeln auslöste, hat noch heute Gültigkeit. Im heiter-beschaulichen Gedicht "Parc Monceau" äußert sich seine Liebe zum ungezwungenen Leben in Paris, wo er sich von seinem Vaterland ausruhen kann.

Zwischen den Lesungsteilen spielten die Musiker Jazzstandards von Dave Brubeck, Kenny Dorham, Gerald Marks, Frank Sinatra und Antônio Carlos Jobim, Daniel Heis auf der Akustik-Gitarre und Robert Uekermann auf dem Alt-und dem Tenorsaxophon. Die Zuhörerschaft belohnte alle Vortragenden mit anhaltendem Applaus, so dass es noch zu literarischen und musikalischen Zugaben kam.


TUCHOLSKY
Zum 125. Geburtstag und 80. Todestag von Kurt Tucholsky
liest
Klaus Turmann
aus dessen Werken
Moderation: Markus Scharrer

Kulturzentrum Seefelder Mühle
Hauptstraße 1, 26937 Stadland

Eintritt: € 12, Mitgl. € 10

Kartenvorverkauf: NMT, Nordenham, Marktplatz 7, Telefon: 04731-93640 

Hinweis: Bei Ausfall einer Veranstaltung erfolgt die Kartenrückgabe bei der jeweiligen Vorverkaufsstelle.